Ein Haus, das klingt – Kultur Amden im Klanghaus ToggenburgEin Haus, das nicht nur Musik beherbergt, sondern selbst zum Instrument wird: Das neue Klanghaus Toggenburg beeindruckte die Teilnehmenden von Kultur Amden bei ihrem Besuch am 21. August.
Von Urs Roth Fährt man von Unterwasser hinauf in Richtung Schwendi, fällt der Blick auf die bei den markanten Holzbauten von Klangwelt Toggenburg – das Klanghaus und das Resonanzzentrum. Der Besuch des Klanghauses war es, den Kultur Amden für den Anlass vom 21. August ausgewählt hatte. Die ansehnliche Teilnehmerschar war begeistert, ja geradezu überwältigt von diesem Werk, das nach jahrzehntelangem Kampf im Obertoggenburg entstanden ist. Von der Vision zum «begehbaren Instrument» Die Geschichte des Hauses reicht weit zurück. 1993 begann der Musiker und Komponist Peter Roth am Schwendisee mit Kursen über Naturjodel, Alpsegen, Schellen und weitere Formen der Toggenburger Klangkultur. Daraus entstand die Vision eines Hauses, das eigens für Stimmen und Instrumente geschaffen sein sollte. 2002 begegnete Roth dem Bündner Architekten Peter Zumthor. Er erkannte die Besonderheit der Idee und bezeichnete das geplante Gebäude als «begehbares Instrument». Zunächst sollte Zumthor das Klanghaus entwerfen. Nachdem der Auftrag aufgrund einer Beschwerde öffentlich ausgeschrieben werden musste, zog er sich jedoch zurück. Im Projektwettbewerb setzte sich das Zürcher Büro Marcel Meili, Markus Peter Architekten durch. Politische Hürden und ein langer Atem Mehrere politische Hürden mussten überwunden werden. Ein erster Anlauf scheiterte 2004, und im März 2016 lehnte der St. Galler Kantonsrat das damalige Projekt knapp ab. Die Initianten gaben jedoch nicht auf: Das Projekt wurde überarbeitet, die Finanzierung neu geregelt und der spätere Betrieb stärker auf private Mittel ab gestützt. 2019 stimmte der Kantonsrat dem Bau zu und das Stimmvolk sagte Ja. Nach mehr als zwei Jahrzehnten war damit die entscheidende politische Hürde genommen. Ende 2024 waren die Bauarbeiten nach rund zweieinhalbjähriger Bauzeit abgeschlossen. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 23,3 Millionen Franken. Die offizielle Eröffnung fand im Mai 2025 statt. 150’000 Holzschindeln für die Fassade Nur mit einer offiziellen Führung kann das Innere besichtigt werden. Doch bereits das Äussere ist sehenswert. 150’000 handgefertigte Holzschindeln zieren die Fassade, weitere 375’000 maschinell gefertigte die Dachuntersicht. Auch Klebdächlein über den Fenstern erinnern an traditionelle Toggenburger Häuser. Verwendet wurde einheimisches Material. Im Innern überrascht die Vielfalt der Räume. Rund um den Zentralraum liegen kleinere Räume zum Musikmachen, darunter «Schafberg», «Schwendisee» und der Echoraum. Den Auftakt der Führung machte die «Stube», die für gesellige Veranstaltungen zur Verfügung steht, mit Catering aus «Stump’s Alpenrose». Hier entdeckt man unter anderem drei Senntumsschellen. Wir erfuhren, wie viel Wissen und Geduld ihre Herstellung erfordert. Im Vergleich zu unseren «Trycheln» klingen sie etwas heller und tragen messingverzierte Lederriemen. Räume, die mit dem Klang spielen Gigantisch präsentiert sich der Zentralraum. Persischen Ornamenten nachempfundene Wandöffnungen verbergen teilweise die dahinterliegenden Klangschalen. Diese verändern den Nachhall, je nachdem, wo man steht. Bis zu zwölf Sekunden Nachhall sind möglich. Eine Teilnehmerin machte die Probe aufs Exempel mit einer schönen Tonfolge. Im Echoraum sorgen drei Meter hohe Hallkissen aus Blech für einen fast endlosen Widerhall. Ganz anders der Raum «Schafberg»: Er eignet sich für eher laute Instrumente und Formationen wie Brassbands oder Drums, bei denen eine Resonanz eher ausgeschlossen werden soll. Ein Haus, das selbst zum Instrument wird Das Klanghaus ist damit mehr als ein gewöhnliches Veranstaltungsgebäude. Es ist gewissermassen selbst ein Instrument, das erst durch Menschen, ihre Stimmen und ihre Musik zum Leben erwacht. Die lange Entstehungsgeschichte macht verständlich, weshalb die Freude über das fertige Haus im Toggenburg so gross ist. Aus einer Idee, die Peter Roth vor mehr als dreissig Jahren am Schwendisee entwickelte, ist ein aussergewöhnlicher Ort für die Klangwelt des Toggenburgs geworden. Nebst Konzerten und Aufführungen bietet das Klanghaus Räume für Seminare, Workshops und Tagungen, vorwiegend im Zusammenhang mit Musik und Gesang. Damit schliess sich nach einem langen Weg der Kreis: Was 1993 mit Kursen über die besondere Klangkultur des Toggenburgs begann, hat nun einen festen Ort erhalten. Comments are closed.
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August 2026
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