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Das Fli im Wandel der Zeit (2. Teil)

20/4/2022

 

Die Geschichte und Entwicklung des Fli in einem Bildervortrag

aus der Ammler Zitig Nr. 285 zur Verfügung gestellt und verfasst von Urs Roth
Die Geschichte des Fli hängt stark mit der Regulierung der Linth zusammen. An einer gut besuchten Veranstaltung von Kultur Amden blickte Thomas Angehrn zurück auf eine bewegte Zeit für das Gebiet Fli.

«Die Geschichte des Fli-Amden hängt wegen der topografischen Situation viel enger mit der Geschichte von Weesen zusammen als mit jener von Amden.» Mit diesem Hinweis startete Thomas Angehrn seinen Vortrag über das Fli. Der Verein Kultur Amden hatte auf den 20. April zum zweiten Teil der Vortragsreihe «Das Fli im Wandel der Zeit – die Geschichte und Entwicklung des Fli» eingeladen. Ein erster Blick ging auf den Vergleich einer Übersichtskarte aus Mitte des 19. Jahrhunderts mit einer solchen der Neuzeit. Wenig erstaunlich – 1840 sind auf der Karte einige wenige Gebäude zu erkennen, heute ist das Gebiet fast vollständig überbaut. Anhand von alten Fotos aus unterschiedlichen Quellen vermittelte Thomas Angehrn einen Eindruck über das Leben und die Verhältnisse in alter Zeit.

Das Linthgebiet wird zum Sumpf
Um 1800 herrschten in der Region Weesen-Amden missliche Umstände. Grosse Holzschläge an steilen Hängen im Glarnerland bewirkten, dass die Linth immer mehr Geschiebe in Richtung Linthgebiet führte. In der Linthebene begann das Wasser langsamer zu fliessen, die Abflüsse verstopften, der Spiegel des Walensees stieg um bis zu fünf Meter an. Überschwemmungen, feuchtes Klima und Krankheiten waren die Folge, das Gebiet wurde nach und nach zum Sumpf. Betroffen davon war auch das Fli, und der Zugang nach Amden beschränkte sich auf einen Säumerweg. In jener Zeit hatte der Zürcher Hans Konrad Escher die geniale Idee, mit baulichen Massnahmen das Wasser aus dem Glarnerland abzunehmen und zu verhindern, dass es die Linthebene überschwemmte. Er entwarf den Plan, das Wasser mit einem neuen Kanal – der heute seinen Namen trägt – in den Walensee zu leiten und den Abfluss aus dem Walensee mit einem Kanal – der heutigen Linth – in den Zürichsee zu regeln. Das anspruchsvolle Vorhaben klappte. Verschiedenen Denkmäler zeugen von seinem Werk. Dies geschah im Übrigen zu einer Zeit, als die Region von einer weiteren Plage betroffen war: Französische Truppen hatten die Region besetzt und waren im Krieg mit dem österreichische Heer.

Das Nizza am Walensee
Nachdem Weesen nun von Überflutungen verschont blieb, blühte es richtiggehend auf, es kam zu einer «Belle Epoque» und Weesen wurde zu einem mondänen Kurort. Es wurde gar «das Nizza am Walensee» genannt. Dazu hat nicht zuletzt auch die Eisenbahn beigetragen. Der Bahnhof Weesen befand sich damals dort, wo sich heute das Schulareal der Oberstufe befindet. Sämtliche Züge legten hier einen Halt ein, so auch der Orientexpress zwischen Paris und Budapest. Diese Bahnlinie hatte bis in die 1960er-Jahre Bestand, als die Linie zwischen Ziegelbrücke und Sargans begradigt und der alte Bahnhof ausser Betrieb genommen wurde. Die «Belle Epoque» für Weesen dauerte bis zum Ausbruch des 1. Weltkriegs. Viele Hotels mit vornehmer Ausstattung boten Übernachtungsmöglichkeiten an, allen voran das Grand Hotel Schwert mit Dependance Mariasee, das Hotel Rössli, das Schlosshotel Mariahalden, das Hotel Du Lac, das Hotel Speer, das Erholungsheim Berolina, das Hotel Bahnhof, das Gasthaus Hirschen. Weesen verfügte im Jahr 1913 über mehr als 400 Betten. Pärke und Kurgärten in einer Grösse, die man sich heute kaum mehr vorstellen kann, luden zum Flanieren ein.

Exkurs über Josua Klein
Die ehemalige Villa Seewarte, ähnlich einem Schloss mit einem grosszügig angelegten Park, befand sich neben der Fli-Kirche. 1890 hatte sie der Winterthurer Eisenwaren-Kaufmann Ernst Adolf Arbenz-Huber gebaut, in typischem Heimatstil, mit einem Turm auf der Nordseite, reichem Holzzierwerk am Dachstock, drei Terrassen auf der Südseite, einem Monumentalbrunnen mitten im Park, einem Tennisplatz, einem dichten Wegnetz, einem grossem Garten, einem Forellenweiher, einem Karpfenteich, einer Geflügelfarm, einem Gärtnerhaus, Treibbeeten und einem Bootshaus. Arbenz stand in geschäftlicher Beziehung mit dem König von Rumänien, der einige Male Weesen besucht hatte. Drei Jahre nach Arbenz’ Tod verkaufte sein Sohn die Villa samt Park im Jahr 1903 an einen gewissen Josua Klein aus Amden. Die Villa diente Josua Klein fortan zu Repräsentationszwecken und vor der Fertigstellung seines Neubaues „Grappenhof“ zur Unterbringung der ausländischen Besucher.
Josua Klein war 1867 bei Meran auf die Welt gekommen. Ab 1903 realisierte er in Amden für Sinn- und Gottsuchende den „Himmel auf Erden“ in einer Lebensreformer-Kolonie. Im Lauf des Jahres 1903 kaufte Josua Klein von Ammler-Bauern-Familien zehn Heimwesen, zwei Güter und ein Stück Boden, zusammen 13 Wohnhäuser und 25 Gaden. Sein Imperium erstreckte sich unterhalb des Dorfes Amden über die Gebiete Grappen, Port, Würzen, Tschingel, Bühl, Halden, Bächli, Eich, Zand-Blatten und Fahren sowie im Weiler Betlis auf die Lokalitäten Strahlegg, Gänsenstaad, Tränki und Höfli. Josua Klein beabsichtigte, drei monumentale Tempel zu bauen, und engagierte dafür den Berliner Tempelkünstler Fidus, der dafür mit seiner Familie den Berliner Haushalt auflöste und für zwei Jahre nach übersiedelte. Josua Klein ersuchte den Gemeinderat Amden um die Erteilung einer Konzession für den Betrieb einer elektrischen Bahn von Weesen über Amden nach der Bergspitze Speer. Nach zwei Jahren jedoch wurde das Geld knapp und Josua Klein wurde die Liegenschaften so schnell wieder los, wie er sie gekauft hatte. Die Lebensreformer-Bewegung im Grappen hatte viele Gäste, Bewohner und Künstler nach Amden gezogen. Klein selbst erlebte fortan unruhige Wanderjahre und starb 1945 in einer psychiatrischen Klinik in Wien.

Was fehlt: die Strasse nach Betlis
1840 wurde erstmals über eine breitere und ungefährlichere Fahrstrasse nach Amden – anstelle des steilen Treppenweges – gesprochen. Vierzig Jahre später, 1881, wurde mit den abenteuerlichen Bauarbeiten begonnen. Ein Jahr später wurde die Strasse eröffnet und schon bald verkehrte zweimal pro Tag eine Postkutsche auf der Strecke Weesen-Amden. Die Gesamtkosten betrugen 225‘000 Franken. In Amden brach eine Strassenbau-Euphorie aus. 1889 beschloss der Gemeinderat ein äusserst ambitiöses Strassenbauprogramm: Richtung Arvenbüel, Hinterberg, Schöpfsack, Bächli-Schwanden, Kirchstrasse, Durschlegistrasse. Was aber fehlte, war eine Strasse nach Betlis. 
Die Bewohner von Betlis waren nicht zufrieden und verlangten, der Gemeinderat möge «das Projekt der Erstellung eines fahrbaren Strässchens von Fly nach Bättlis ernstlich und wohlwollend in Erwägung ziehen». Es folgte ein jahrelanges Hin und Her zwischen den Betlisern, dem Gemeinderat und dem Kanton, und erst 1903 begann das Baugeschäft Toneatti & Hösli aus Glarus mit den Bauarbeiten, nachdem es sich gegen verschiedene Konkurrenzunternehmen durchgesetzt hatte. Zuvor, im Jahr 1895, war das Vorhaben vorübergehend sistiert worden und ein Streit über die Arbeitsvergebung musste beigelegt werden. Die Betliser leisteten einen Beitrag von pauschal 5'000 Franken an die Gesamtkosten von 100'000 Franken, die Gemeinde Weesen – aufgrund des damaligen Strassengesetztes – einen solchen von 15'000 Franken. Der Beitrag der Gemeinde Weesen führte zu einem dreijährigen Rechtsstreit, der alle kantonalen Instanzen beanspruchte und unter anderem ein Betreibungsverfahren zwischen den Gemeinden verursachte.

Steinbrüche und Bergsturz zu einem späteren Zeitpunkt
Eigentlich waren für den zweiten Teil der Geschichte über das Fli Steinbrüche und Bergsturz als Schwerpunkte vorgesehen. «Darüber auch noch zu berichten, hätte den zeitlichen Rahmen gesprengt», erläuterte Thomas Angehrn am Schluss seiner Ausführungen. Bei Bedarf werde er gern darauf zurückkommen, spätestens im Jahr 2024, wenn es an der Zeit sei, sich 50 Jahre an den Bergsturz zwischen Amden und Weesen zurück zu erinnern.

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