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Das ideale Bergdorf

9/5/2022

 

​Das ideale Bergdorf 

Die Initiative «Bergsteigerdörfer» könnte Amden mit weiteren ähnlichen Orten im Alpenraum vernetzen. Offen ist, ob Amden die nötigen Kriterien erfüllt.
 
Von Urs Roth aus der Ammler Zitig Nr. 286 vom Juni 2022
 
Amden, ein Bergsteigerdorf? Mit dieser Frage gingen wohl die meisten der Interessierten am 9. Mai in den Saal Amden zum Anlass zu diesem Thema. Philipp Wäger, Geograf und Klimawissenschafter, ist Ressortleiter für Umwelt und Raumentwicklung beim SAC. Er informierte im Rahmen der Veranstaltungsreihe von Kultur Amden über die Initiative «Bergsteigerdörfer». Die Initiative sei vom Österreichischen Alpenverein ins Leben gerufen worden und erstrecke sich mittlerweile – mit Ausnahme von Frankreich – über den ganzen Alpenraum. 36 Dörfer gehörten zurzeit dazu. Die Schweiz sei mit St.Antönien und Lavin, Guarda und Ardez vertreten. Mit dem Label «Bergsteigerdorf» soll eine Gästeschicht angesprochen werden, die sich Urlaubsorte aussucht, in denen es noch einigermassen «normal» zugeht. Welche Kriterien für die Aufnahme in den Kreis der Bergsteigerdörfer erfüllt werden müssen, darüber hat der Verein Kultur Amden in der letzten Ausgabe der Ammler Zitig informiert: kleiner Ort, intakte, gebirgige Landschaft, keine grossen Infrastrukturen, naturnaher Tourismus. Der Begriff «Bergsteiger» ist dabei nicht allzu eng gefasst – der Bergsteiger muss nicht unbedingt ein Kletterer sein.
 
Die Wasserkraft steht im Weg
Ziel eines Bergsteigerdorfes sei unter anderem die Bewahrung der Kultur und Landschaft, die Förderung lokaler Produkte, umweltfreundliche Mobilität, Vernetzung im Alpenraum. Ob Amden als Bergsteigerdorf infrage kommen könnte, hängt mit den Ausschlusskriterien zusammen, wie sich im weiteren Verlauf der Veranstaltung und in der anschliessenden Diskussion zeigte. Das Label erhält ein Ort zum Beispiel dann nicht, wenn technische Anlagen die Landschaft dominieren oder wenn kein dörflicher Charakter vorliegt. Ein Killer seien für gewöhnlich Produktionsanlagen für Wasserkraft, so Wäger in seinen Ausführungen. Der Österreichische Alpenverein, der als Gründer das Vetorecht habe, würde Dörfer mit derartigen Anlagen ablehnen. Dies sei am Lukmanierpass geschehen, obwohl der dortige Stausee immerhin zehn Kilometer vom fraglichen Ort entfernt sei. In Amden könnte diesbezüglich der Stausee Muslen im Weg zum Bergsteigerdorf stehen. Ob hier in absehbarer Zeit ein Umdenken – und eine höhere Akzeptanz von Wasserkraft in den Bergen – stattfinden wird, war eine der grossen Fragen in der Diskussion. Aber auch ob Amden einen genügend dörflichen Charakter aufweisen würde, dürfte ungewiss sein.
Ob sich Amden für das Label Bergsteigerdorf bewerben soll oder nicht, blieb an diesem Abend offen. Einig war man sich darüber, dass es eine – weitere – Gelegenheit wäre, sich touristisch zu positionieren. Nämlich eben als gut erschlossenes Dorf mit intakter Landschaft, Naturschönheiten, kulturellen Besonderheiten. Ebenso einig war man sich, dass hinter einem derartigen Vorhaben sowohl die Bewohnerinnen und Bewohner als auch die Leistungsträger des Tourismus vorbehaltlos stehen müssten. 

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