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Wanderung

14/4/2018

 

Chappeliweg - auf altem und spektakulärem Weg nach Amden
​

Von André Guntern, Baar und Arvenbüel ​
Mit der Frühlingswanderung wollte KulturAmden seinen Mitgliedern und Interessierten den Chappeliweg näherbringen. So konnte Thomas Angehrn an einem schönen Samstag im April beim Lenirank eine grössere Gruppe begrüssen. Angehrn erklärte, dass der Chappeliweg die alte Wegverbindung zwischen Weesen und Amden war. Von der ursprünglichen Wegsubstanz sind aber nur noch kurze Abschnitte beim Hinterberg übrig geblieben. Doch diese haben es in sich, wie sich im Laufe der Exkursion noch zeigen sollte. Der Start des Chappeliwegs befindet sich bei Grappen, dort wo der Wanderweg von der Strasse abzweigt. Das erste Teilstück ging durch die blühende Wiese talwärts dem Wald entgegen. Bei einer Wegbiegung öffnet sich das Panorama unvermittelt und gibt den Blick auf den Walensee und Weesen frei. Der Weg ist rund zwei Meter breit und die talseits platzierten Quadersteine markieren die ausgesetzte Kante über dem felsigen Abgrund. Beim nächsten Halt etwas weiter unten machte Angehrn auf einen Gedenkstein am Wegrand aufmerksam. Darauf sind ein schwach erkennbares Kreuz, die Initialen DIFP und die Jahreszahl 1669 eingemeisselt. Der sogenannte «Herrenstein» soll der Überlieferung nach an Pfarrer Johannes Frischherz aus Amden erinnern. Er soll an dieser Stelle auf dem Weg nach Amden offenbar vom Pferd gestürzt und tödlich verunfallt sein. Angesichts des steil zum Walensee abfallenden Geländes kann man sich gut vorstellen, dass an dieser Stelle ein Misstritt verheerende Folgen haben konnte. Weiter ging es über eine treppenartige Pflästerung talwärts. Dass sich dieser Abschnitt in so gutem Zustand befindet, hat man einer Gruppe von Lehrlingen der AXA Winterthur zu verdanken, die den Weg im Herbst 2017 unterhalten und ausgebessert haben. Hier wurde auch ersichtlich, weshalb der Chappeliweg im Inventar der historischen Verkehrswege der Schweiz (IVS) aufgeführt ist. Wegen der gut erhaltenen ursprünglichen Bausubstanz und der besonderen geschichtlichen Bedeutung wird er sogar als von nationaler Bedeutung eingestuft. Als Thomas Angehrn in die Runde fragte, wer den Chappeliweg nicht kenne, gingen fast alle Arme in die Höhe. Auch alt eingesessene Ammler hatten zwar schon davon gehört, den Weg aber bisher noch nie begangen. Chappeli? Schliesslich musste Thomas Anghern natürlich die Frage beantworten, weshalb der Chappeliweg denn so heisse. Dies komme daher, dass auf dem kleinen Felskopf beim Parkplatz oberhalb der zweiten Strassengalerie offenbar früher eine kleine Wegkapelle oder Rasthütte stand, wo die Träger eine Pause einlegen konnten. Von diesem Gebäude existieren heute aber höchstens noch wenige Fundamentmauern. Die Gruppe besuchte schliesslich diesen Punkt, der einen atemberaubenden Tiefblick auf den See bietet. Es folgte der wohl spektakulärste Wegabschnitt, der nur in kleinen Gruppen begangen werden konnte. Der Weg wurde hier ursprünglich aus dem Fels gehauen und führt um den Felskopf in die Tiefe. Er endet abrupt unterhalb der Galerie. Bis im Jahr 1882 Die Weiterführung – eventuell ähnlich einem «stiebenden Steg» – ist wahrscheinlich beim Bau der ersten Strasse 1882 zerstört worden. Dies wird auch durch den am Wegende in den Fels gemeisselten Hinweis «ALTER FUSSWEG BIS 1882 NACH AMDEN» belegt. Die Gruppe machte sich schliesslich auf den Rückweg, wählte aber eine andere Linienführung, und zwar die direkte Verbindung von der unteren Strasse zum Portrank hinauf. Über hunderte von Treppenstufen ging es in einem weiten Bogen bis zum Klettergarten steil den Hang hinauf. Die Überwindung des Felsbandes beim Hinterberg erforderte für die damalige Zeit wohl einen grossen Aufwand: die nach Osten führende Querung des Felsbandes beginnt mit einem an die Felsen angelehnten Treppenaufgang, der sich talseits auf eine hohe Bruchsteinmauer stützt. Bergseits wurde der Fels halbgalerieartig ausgebrochen. Die sichtbaren Bohrlöcher lassen vermuten, dass dieser Abschnitt weniger alt ist, als der untere Chappeliweg und in Zusammenhang mit dem Bau der Strasse als Abkürzung für Fussgänger erstellt wurde. Oberhalb des Felsbandes nahm die Gruppe den letzten Abschnitt des doch recht anstrengenden Treppenweges bis zum Portrank in Angriff. Zum Abschluss wies Thomas Angehrn noch darauf hin, dass Amden über einen zweiten historischen Weg von nationaler Bedeutung verfüge: Ein Abschnitt des Wanderweges zwischen Betlis und Amden ist zwischen Schöpfsack und Gadmen noch als Hohlweg mit beidseitigen Bruchsteinmauern erhalten geblieben. Die Exkursionsteilnehmer bedankten sich bei Thomas Angehrn für die lehrreiche Führung an diesen spektakulären und geschichtlich sehr interessanten Ort. Es ist zu hoffen, dass der Chappeliweg auch weiterhin begangen und unterhalten wird, um ihn als einzigartiges Dokument der Wegbaukunst aus vorindustrieller Zeit zu erhalten.

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