«Amden persönlich» mit Leo Fürer jun. und Luzia Manser Zum dritten Mal schon gaben zwei interessante Persönlichkeiten einen Einblick in ihr Leben und ihren Alltag. Für den Anlass «Amden persönlich» vom 17. Mai konnte der Verein «KulturAmden» Leo Fürer jun. und Luzia Manser gewinnen. Befragt von Moderatorin Sonja Hasler, verrieten die beiden allerlei Interessantes aus ihrem Leben und ihrer Gefühlswelt.
von Urs Roth Selbst unvorbereitete Gäste – von denen es nicht allzu viele gegeben haben dürfte – bemerkten auf den ersten Blick, um was es an diesem Abend unter anderen gehen würde: Neben der hübschen Bühne präsentierten sich auf vier grossformatigen Fotos Luchse in freier Wildbahn, fotografisch eingefangen von Leo Fürer. In unterschiedlichen Haltungen – stolz, fragend, gelassen, in rasantem Tempo. Leo Fürer also, einer der beiden heutigen Protagonisten. Sohn des bekannten Dorfarztes mit gleichem Namen, 29 Jahre alt, ausgebildeter Zahnarzt mit Berufsziel Kieferchirurg, Absolvent der Jagdprüfung. Und eben: Leidenschaft für den Luchs, «die grösste wild lebende Katzenart Europas», wie er sagt. Als jüngstes von sieben Kindern – ausser ihm alles Mädchen – in Amden aufgewachsen, habe er miterlebt, wie sein Vater den Beruf des Arztes ausgeübt habe. Viel Arbeit, doch nie gestresst, so erlebe er ihn. Nicht zuletzt diese Tatsache hätte ihn dazu bewogen, ebenfalls einen medizinischen Beruf anzustreben. Zahnarzt habe er nicht werden wollen, seine Faszination für Zähne halte sich in Grenzen. Doch das Zahnarztstudium sei halt eine Bedingung für seinen Berufswunsch als Kieferchirurg. Dieses Ziel werde er nächstes Jahr erreichen. Und seinen Beruf werde er wohl am ehesten im Rheintal oder im Engadin ausüben. Neben Leo Fürer auf der Bühne: Luzia Manser, 51jährige Pilotin und Leiterin von TrekkingTouren im Himalaya, Wanderleiterin auch in Amden, aufgewachsen als eines von vier Mädchen in Appenzell («Ich war der ’Bub’ von uns vier Kindern, also jenes, das immer das machen musste, was normalerweise Aufgabe des Buben ist»). Alle vier Mädchen seien im Dezember auf die Welt gekommen, «neun Monate, nachdem vor dem Frühjahr das Cheminéeholz langsam ausgegangen ist», scherzte sie. Nach ihrer KV-Ausbildung wurde ihr die Appenzeller Welt zu klein, ihr Lebensweg führte sie in die USA, ins Welschland, in die Tourismusfachschule, zur Swissair als Flight Attendant und zur Ausbildung als Pilotin. Ihr ursprünglicher Berufswunsch als Kind – hier haben wir eine erste Parallele zu Leo Fürer – sei Tierärztin gewesen. Auch Leo Fürer habe als Kind mit diesem Gedanken gespielt, wie er sagte. Acht Jahre auf den Luchs gewartet Der Luchs lebt sehr zurückgezogen, wird kaum einmal von Menschen erblickt. «Es gibt Leute, die meinen, der Luchs sei etwa so gross wie eine Katze», sagte Leo Fürer. «Das ist nicht so, er ist viel grösser – seinen Spuren sieht man an, dass er richtige Pranken hat.» Wie gross Leo Fürers Begeisterung für den Luchs ist, bekamen die Gäste zu hören, als sie erfuhren, wie lang er für eine brauchbare Foto warten musste. «Bis ich nur mal einen zu Gesicht bekam, dauerte es fünf Jahre», erzählte er. «Und erst nach acht Jahren bekam ich ihn vor die Kamera.» Er habe zwar gerade kürzlich die Jagdprüfung bestanden, auf ein Tier schiessen werde er jedoch nie, versicherte er. Die Jagdausbildung habe er allein deshalb gemacht, um die Wildtiere kennenzulernen. «Wobei ich durchaus anerkenne, dass die Jagd und ihre Aufgaben notwendig sind», präzisierte er. Er selbst allerdings beschränke sich auf das Beobachten und das Fotografieren der Tiere. Diesbezüglich sei er der Jagdgesellschaft Mattstock sehr dankbar, die ihn dabei unterstütze, Kameras in ihrem Jagdrevier zu installieren. Die Arbeit im Business-Jet Die im Fli Amden wohnhafte Luzia Manser ist heute Pilotin bei der Cat Aviation, eine für Charterflugverkehr spezialisierte Fluggesellschaft. Da liegt die Frage von Moderatorin Sonja Hasler natürlich nahe: Wie sieht es im Innern eurer Business Jets aus, wie ist die Arbeit dort? «Ja, das sind tatsächlich schöne Flugzeuge», bestätigte Luzia Manser. «Zum Teil mit Sesseln aus Leder, mit einem Salon für die Gäste». Doch für sie und ihren Lebenspartner, der ebenfalls Mitglied im Team sei, sei der Komfort im Vergleich bescheiden, die Raumverhältnisse eng, die Flugvorbereitungen, der Lebensmittel und Gepäcktransport anspruchsvoll. «Doch das Leben in diesem Beruf, den Lifestyle von prominenten Fluggästen mitzuerleben, ist durchaus faszinierend», sagte sie. Spezielle Wünsche gebe es schon hin und wieder, sagte sie auf die Frage der Moderatorin. Austern zum Beispiel, die man vor dem Flug habe organisieren müssen, oder natürlich Champagner. «Doch achtzig Prozent sind wie du und ich», meinte sie. Was ihr Sonja Hasler allerdings nicht so ganz abnahm. Bei ihrer Aufgabe müsse man flexibel sein, sagte Luzia Manser. Da sei sie nicht ausschliesslich Pilotin, sondern je nachdem auch im Bordservice tätig. Ob sie denn als Pilotin von den Fluggästen akzeptiert werde, wollte Sonja Hasler wissen. Offenbar schon. Denn Luzia Manser wusste zu erzählen: «Als ein Gast, der mich bis anhin nur im Service erlebt hat, mich am Steuer erblickt hat, hat er erst einmal grosse Augen gemacht». Er habe ein paarmal hin und her geschaut und dann gesagt: «That’s pretty cool.» Eine ganz andere Welt erlebt Luzia Manser, wenn sie als Leiterin von TrekkingTouren mit Gästen im Himalaya unterwegs ist. Bis auf eine Höhe von 7’200 m ü. M. sei sie dabei schon gelangt, sagte sie. Das Besteigen von Bergen stehe für sie dabei allerdings nicht im Vordergrund, sondern vielmehr das Kennenlernen von fremden Leuten und Lebensweisen. Gemeinsamkeiten Sonja Hasler, wie üblich souverän und gut vor bereitet, befragte die beiden Gäste auch zu den bevorzugten Themen der jeweils anderen Person. So war beispielsweise zu erfahren, dass Luzia Manser nicht die Geduld hätte wie Leo Fürer, stundenlang auf ein Wildtier zu warten. Oder dass es eines der Ziele von Leo Fürer ist, einmal für längere Zeit in die Himalaya Region zu reisen. Doch es gibt auch Gemeinsamkeiten. Solche kamen, nebst dem gleichen Berufswunsch als Tierärztin beziehungsweise Tierarzt, im Verlauf des Gesprächs zutage. Auf die Frage, welchem Tier sie am liebsten mal begegnen wür den, antworteten beide: dem Schneeleoparden. «Ein faszinierendes, seltenes Raubtier», sagten beide übereinstimmend. Nicht ausgeschlossen, dass sich dieser Wunsch für beide erfüllt, findet man dieses Tier doch unter anderem im Himalaya. Eine weitere Gemeinsamkeit ist, dass beide keine Flugangst verspüren. Brenzlige Situationen hätte sie noch nie erlebt, sagte Luzia Manser, und Leo Fürer, mit einem schelmischen Blick zu seinen Eltern im Publikum: «Die Flugangst habe ich zum Glück nicht geerbt.» |
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August 2026
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