«Ich bevorzuge keine bestimmten Musikstile»Von Urs Roth, aus Ammler Zitig, Juli 2023
Das Obertoggenburg ist seine Heimat – er ist also, ennet der "Höhi", sozusagen ein Nachbar von Amden. An einem Anlass von Kultur Amden am Abend des 6. Juni konnte man den Musiker, Komponisten und Klangliebhaber Peter Roth näher kennenlernen. Ganz und gar nicht von oben herab möchte er sein Publikum behandeln. "Dieser Platz ist etwas gar hoch oben", hört man ihn murmeln, als er das Klavier auf der Bühne des Saals erblickt. Nun, für seine Begrüssungsmelodie am Piano – und am Schluss dann auch für den Abschiedssong – ist dieser Standort halt gegeben und nicht zu ändern. Den Hauptteil seiner Vorstellung bestreitet Peter Roth dann aber auf dem Boden des Saals, auf Augenhöhe mit der Zuhörerschaft. Die Spannweite seines Schaffens kommt gleich zu Beginn zum Ausdruck. Nach den einfühlsamen, romantischen Klängen am Klavier kommt das bereitstehende Hackbrett zum Einsatz. Und zwar zusammen mit dem Publikum. Die Gäste sollen "grad hebe", schlägt Peter Roth vor. Die Männerstimmen abwechselnd zwei verschiedene Töne, die Frauenstimmen zwei andere, das zusammen mit einer Melodie, die er mit dem Hackbrett einfügt. "Tönt ganz gut", meint Peter Roth. Ob sein Kommentar ernst gemeint oder vielmehr der Höflichkeit geschuldet ist, bleibt sein Geheimnis. Der gute Wille aber war sicher da. "Resonanz", meint er weiter und zeigt auf das Fundament des Hackbretts, "eine ganz wichtige Sache bei Musik und Klängen". Das sollte sich im weiteren Verlauf des Abends noch wiederholt zeigen. Vom langhaarigen 68er zum anerkannten Kirchenmusiker Zunächst aber war es an der Zeit, einiges aus dem ereignisreichen Leben des 79-Jährigen zu erfahren. Vorerst kurze Zeit als Primarlehrer tätig, studierte er Schulmusik in Zürich und entdeckte seine Liebe zum Toggenburg. "Wir lebten in einer WG, der Einzige, der geblieben ist, bin ich", erzählte er. Seine WG-Kollegen seien weitergezogen, nach Indien, zurück nach Zürich und in andere Städte. "In Alt St.Johann bat man mich, den Kirchenchor zu übernehmen. Als Typ mit schulterlangen Haaren und einem mächtigen Bart", schmunzelte er. Er sagte zu. "Für ein halbes Jahr, dachte ich". Es sollten schliesslich 39 Jahre daraus werden. Das ländliche Leben, die Natur, die Stille, die Alpen, Kuhglocken hätten ihm "den Ärmel ine gno". Dass er im Lauf der Jahrzehnte Urheber von über 60 musikalischen Werken werden sollte, hat er damals wohl selbst kaum geahnt. Er entdeckte seine Liebe zu Klängen aller Art ("Ich bevorzuge keine bestimmten Stilrichtungen") und wurde zum Initianten von KlangWelt Toggenburg. Das seit Jahren erfolgreiche Projekt beinhaltet Kurse, den Klangweg, das Naturstimmen-Festival. Im Bau befindet sich zurzeit das Klanghaus am Schwendisee. Es soll im Frühjahr 2025 eröffnet werden. "Als ich die Idee eines Klanghauses im Kopf herumtrug, bemühte ich mich um eine Audienz bei Architekt Peter Zumthor", verriet er den gebannt zuhörenden Gästen des Abends. "Dreissig Minuten wurden mir gewährt". Also beschrieb er sein Anliegen. "Zwanzig Minuten hörte er mir schweigend zu, verzog keine Miene". Dann die Frage von Zumthor: "Ist es still dort oben?" "Da wusste ich, dass ich gewonnen hatte", so Peter Roth. Denn mit der Stille konnte er tatsächlich auftrumpfen. Zumthor sagte zu, konnte das Projekt dann allerdings doch nicht ausführen, weil, aufgrund von Beschwerden der Konkurrenz, ein öffentlicher Architekturwettbewerb durchgeführt werden musste. Didgeridoo im Felsen eben seiner Tätigkeit als freischaffender Musiker, Komponist, Chor- und Kursleiter hat Peter Roth die Kurzfilmserie "Vom Zauberklang der Dinge" geschaffen. Davon gab er den Anwesenden drei Kostproben und erläuterte sie. So erfuhr man beispielsweise, dass auch im Ausland der traditionelle Naturjodel, vorgetragen in der Kirche beim Gottesdienst, mit Erstaunen und Wohlwollen aufgenommen wurde. Oder wie verschiedenste Klänge mit Hilfe von farbigem Licht Wasser in Schwingungen versetzt und so wunderschöne Bilder produziert. Ein dritter Kurzfilm begleitete Jäger und Freund Roland Schlumpf auf den Altmannsattel, zeigte herrliche Wildtieraufnahmen und beschrieb die Philosophie des verantwortungsvollen Jägers, der die Tiere nicht des Geldes wegen erlegt, sondern um den Wildbestand zu regeln und gesund zu erhalten. Auch hier durften passende Klänge nicht fehlen: In den Felsen gebohrte Löcher ahmten das australische Didgeridoo nach und gaben, naturgetreu, die gleichen Töne von sich. Alpsegen mit Hackbrett Sowohl hier als auch in Peter Roth’s Heimat hat der Alpsegen Tradition. Eine für Amden eher ungewohnte Art gab der Künstler am Schluss seines Auftritts zum Besten. Einen Ausschnitt aus dem Alpsegen trug er in Begleitung seines Hackbretts vor. Ganz am Ende des Abends war er dann aber doch noch nicht. Mit dem jazzartig vorgetragenen Song "Come And Go To That Land" bezeugte er, dass er nicht allein Kirchenmusiker, Komponist, Chorleiter, Referent, Netzwerker und Klangfreund ist, sondern auch in Jazz und Gospelmusik zu Hause ist. Die Geheimnisse des Zufalls: Eine Reise durch Wissenschaft und Alltag mit Peter BruggerAm 2. Mai 2023 fand im Hotel Rössli in Amden ein fesselnder Vortrag mit Peter Brugger statt, der uns auf eine aufschlussreiche Reise durch die Welt des Zufalls mitnahm. Vor dem Hintergrund, dass der Zufall eine weit grössere Rolle in unserem Leben spielt, als wir oft annehmen, entfaltete Brugger ein faszinierendes Panorama über die historische und aktuelle Auseinandersetzung mit dem Konzept des Zufalls in verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen.
Ein zentraler Aspekt des Abends war die Betrachtung, wie unser Nervensystem die zufälligen Ereignisse um uns herum wahrnimmt und verarbeitet, und wie diese Fähigkeit, Ordnung im scheinbaren Chaos zu erkennen, tief in unserer evolutionären Vergangenheit verankert ist. Besonders fesselnd waren die Ausführungen zu den "illusionären Konturen", die unser Gehirn nutzt, um in der Umwelt navigieren zu können – ein lebendiges Beispiel dafür, wie wir Muster erkennen, selbst wenn sie physisch nicht vorhanden sind. Brugger berührte auch die psychologischen Aspekte, die unsere Tendenz beleuchten, in zufälligen Ereignissen nach Bedeutung zu suchen, eine Neigung, die sowohl unser Verhalten als auch unsere Entscheidungsfindung tiefgreifend beeinflusst. Darüber hinaus wurde die Universalität des Phänomens Zufall hervorgehoben, demonstriert anhand von Experimenten mit Tieren, die verdeutlichen, dass auch nicht-menschliche Lebewesen auf Zufälligkeit in ihrer Umgebung reagieren können. Der Abend schloss mit einer Einladung, die Rolle des Zufalls in unserem Leben und in der wissenschaftlichen Forschung neu zu bewerten. In einer Welt, die nach Ordnung und Vorhersehbarkeit strebt, erinnert uns der Zufall an die Bedeutung des Unerwarteten und Unvorhersehbaren. Die Auseinandersetzung mit dem Zufall eröffnet nicht nur neue wissenschaftliche Erkenntnisse, sondern bereichert auch unser Verständnis von der Welt und unserem Platz darin. Dieser Vortrag im Hotel Rössli war nicht nur eine Gelegenheit, neue Perspektiven zu entdecken, sondern auch eine Erinnerung daran, wie das Unerwartete unser Leben bereichern kann. Frölein Da Capo begeistert das Publikum mit ihrer «Ein-Frau-Show Ein Durcheinander aus Kabeln, vielerlei Geräten und Instrumenten herrscht vor Beginn auf der Bühne. Neben Trompete, Posaune, Eufonium und Schlagzeug steht ein Tischchen mit Keyboard, einem altertümlichen Kassettenrecorder, Notizbuch und einem Stapel Bücher. Am Boden, vielleicht das wichtigste, ein Loopgerät. Und dann öffnet sich der knallrote Vorhang - und hervortritt der Star des Abends: Frölein Da Capo, mit bürgerlichem Namen Irene Brügger. Singend, spielend, zeichnend, reimend, witzig und riesig charmant tanzt die Künstlerin virtuos durch das zweistündige Abendprogramm im Gemeindesaal Amden.
Von Rösli Ackermann Sie hätte die coronabedingte «Kunstpause» der letzten zwei Jahre für den Besuch eines show-wissenschaftlichen Fachlehrgangs genutzt und gelernt, wie man dem Publikum ein ordentliches Spektakel bietet. Und das tut sie denn auch. Sie nimmt einen einfachen Rhythmus mit einem Klick auf das Loopgerät auf und lässt ihn weiterlaufen, um mit der Trompete eine Melodie anzustimmen, und auf diesem musikalischen Gerüst baut sie mit oder ohne Gitarrenbegleitung ihre Lieder und Geschichten auf – mal jazzig, mal volkstümlich, mal lässig poppig, mal im Country Style oder wehmütigem Blues. Und diese Geschichten haben es in sich: Die Tücken des Alltags, haarscharf beobachtet und erfrischend liebenswürdig und kreativ erzählt, mit viel Liebe zum Detail und dem Blick für’s Absurde – immer schön verpackt in einprägsame Reime. Sie bringen das Publikum zum Schmunzeln und immer wieder zum herzhaften Lachen. Den Anfang macht ein verträumtes Liebeslied. Wunderbar «schmalzig» und einlullend, bis man ernüchtert realisiert, was hier angebetet wird und neben dem die Sterne verblassen – das ist das Smartphone. Oder, die Schwierigkeit eine Parkplatzgebühr zu bezahlen, ohne Bargeld und Twint, und der Polizistin mit der Busse näher als die nächste Bank. Dies sei ein Beitrag zum Lädelisterben, wie Da Capo lakonisch bemerkt. Erheiternd zu erfahren ist auch, was männliche und weibliche Mücken so alles treiben gegenüber der geplagten Menschheit, aber auch in Bezug auf ihr eigenes Äusseres: Eitelkeit pur auch im Tierreich - fantasievoll illustriert auf der Leinwand. Und, dass «Nein-Sagen» gelernt sein will, zeigt die Dessertbüffet-Episode: Welche Schmach, wenn der liebevoll selbstgebackene, aber leider etwas hart geratene Kuchen auf dem Büffet stehen bleibt und man am Ende mit halbem «Schoggi-Stein» wieder abziehen muss, während andere triumphierend die leeren Teller vorweisen. Die Worte «schön – blöd – Winter», spontan eingebracht von einem Heidi aus dem Publikum, werden mühelos zum Gedicht und als Winter-Blues vertont, bevor das Frölein unter tosendem Applaus in die Garderobe entschwindet. Ernster, intimer und heisser wird’s im zweiten Teil des Programms. Nach der anschaulichen Illustration der Proportionen des menschlichen Körpers an der bekannten Skizze des «Leonado Da Capo» - etwas verschämt, mit dem Feigenblatt an der richtigen Stelle – geht’s direkt ins eheliche Schlafzimmer. Wer hat schon gewusst, dass sich der lästige Graben zwischen den beiden Matratzen ganz einfach mit einer «Liebesbrücke» aus Schaumstoff schliessen lässt? Und ... die Fortsetzung wird musikalisch höchst anschaulich erörtert. Nicht weniger turbulent ist die Zaubershow mit viel Hokus Pokus, Trommelwirbel und dramatischer Musik, und zum Vorschein kommt – aus den Tiefen ihres schulterfreien Petticoat-Kleides - die gesuchte Flöte. Das folgende «hochdeutsche Herbstgedicht» ist ein besonderer Leckerbissen. Es erzählt die Geschichte der beiden benachbarten Ehepaare Klein und Gross, ihre unkeuschen Gedanken und Wünsche und welch’ hinterhältig-boshafte Szenen sich zwischen ihnen abspielen, von der Künstlerin direkt und fortlaufend in präzisen Filzstiftstrichen und träfen Bildern gezeichnet, um das Geschehen gleichzeitig in Gedichtform zu rezitieren – unnachahmlich! Nach mehr oder weniger tiefsinnigen Betrachtungen über Eltern und Kinder, über «Alteri Teili» und die Nutzlosigkeit der Apps gegen das Vergessen, weil man das Passwort bereits vergessen hat, folgt das fulminante Finale: ein Blitz-Kleiderwechsel vom züchtigen Frölein-Look mit Hochsteckfrisur zur mondänen Diva mit bodenlanger Glitzer-Robe und wallender Mähne und ein stimmgewaltiger Abschieds-Song. Mit Zugabe und riesigem Applaus endet die wunderbare, manchmal auch wundersame, unterhaltsame Reise. Vom Geschenk der Stille – Marco Badilatti liest aus seinem neuen Buch Bereits um 17:30 Uhr treffen die ersten Gäste zum Nachtessen im Restaurant Hotel Rössli in Amden ein, und zwei Stunden später sind rund dreissig erwartungsvolle Zuhörer anwesend. Die Autorenlesung kann beginnen.
Marco Badilatti, in Amden wohnhaft und ehemals Mitglied des Vorstandes im Kulturverein, ist im Kreis der Anwesenden bestens bekannt. Dies gilt teilweise auch für die vier Musiker/innen, welche seine Texte zum Thema «Stille» mit ruhig-getragenen finnischen Volksmusikweisen mit drei Violinen und Piano untermalen. Es sind dies: Maja Homberger, Mitglied des Kulturvereins und in Amden wohnhaft, Claudia Palser Kieser aus Rümlang und Philipp und Sabina Schmuki aus Weesen. Letztere amtet als verantwortliche Kirchenmusikerin in der evangelischen Kirchgemeinde Weesen-Amden, ist aber auch begeisterte und erfolgreiche Komponistin. Die Musiker haben sich in Ihrem Outfit dem Thema sowie dem vortragenden Autor angepasst, und geben, dezent in ruhiges Schwarz gekleidet, dem Anlass auch optisch den gebührenden Rahmen. Mit dem auch seinem Buch vorangestellten Sinnspruch eröffnet Marco Badilatti die Lesung: Die Stille ist ein Raum der Erkenntnis. Wenn du hineingehst, wird dir die Einsicht nicht erspart bleiben zu erfahren, wer du bist. Und es wird dir die Einsicht nicht vorenthalten werden, wer du sein könntest. (Verfasser unbekannt) In den folgenden rund zwei Stunden nimmt er das Publikum mit auf eine interessante und äusserst anspruchsvolle Reise: Ausgehend von seiner Kindheit im Engadin, wo er die positive Kraft der Stille erstmals bewusst erfahren durfte, über die Fragen rund um die zerstörerischen Auswirkungen des heutigen, allgegenwärtigen Zivilisationslärms, steht im Hauptteil die Frage im Mittelpunkt, was die grossen Geister der Menschheit – Philosophen, Religionsstifter, Mystiker, Wissenschaftler und Künstler - zum Thema «Stille» zu sagen haben. Es ist ein «Ritt» durch die Kulturgeschichte – höchst spannend und anregend, aber auch enorm fordernd – in einer wohltuenden, gelungenen Harmonie mit den Darbietungen der Musiker. Mit den leicht abgewandelten Worten aus den augustinischen Bekenntnissen beschliesst der Autor die Lesung: Unruhig ist mein Herz, bis es ruht in der Stille. Allen Beteiligten gelten unsere Hochachtung und unser grosses Dankeschön! Organisation und Bericht: Rösli Ackermann / Bilder: Erika Schärer Sonja Hasler im Gespräch mit Ria Lehmann und Andreas FreimüllerRia Lehmann und Andreas Freimüller erzählten aus ihrem Leben und ihrer Arbeit. Mit verschiedenen Themen, von der Ukraine-Flüchtlingskrise über das Gesundheitswesen bis zu einer Zukunftsvision für Amden, lockte Moderatorin Sonja Hasler die beiden aus der Reserve.
Von Urs Roth aus der Ammler Zitig Nr. 293 vom Januar 2023 Zwei interessante Persönlichkeiten stellten sich am Abend des 19. Dezember vor versammeltem Publikum den Fragen von Sonja Hasler. Zum einen Ria Lehmann, seit 1991 in Amden wohnhaft, von der Moderatorin bei der Vorstellung als «Zugezogene» bezeichnet, zum anderen Andreas Freimüller, der «Weggezogene», der seine Kindheit in Amden, im «Bienenheim» verbracht hatte. «Amden persönlich» nannte der organisierende Kulturverein den Anlass, und einiges Persönliches haben die beiden an diesem Abend von sich erzählt. Ria Lehmann, begeisterte Taucherin und Mutter von zwei erwachsenen Kindern, ist 62 Jahre alt und kam 1982 aus Holland die Schweiz. Aufgewachsen sei sie in einem kleinen Landwirtschaftsbetrieb mit Schweinen und Kühen in Holland, erzählte sie. Als ausgebildete Operationsfachfrau sei es in ihrer Jugend schwierig gewesen, in ihrem Heimatland eine Stelle zu finden. In der Schweiz hingegen seien Leute wie sie gesucht gewesen, und so sei sie im Spital Uznach gelandet, wo bereits drei ihrer Landsfrauen beschäftigt gewesen seien. Der 52-jährige Andreas Freimüller hat drei Kinder und ist in Amden aufgewachsen. «Er führt einen Kampf für eine bessere Welt», stellte ihn Sonja Hasler vor. Mit seiner Firma «Campax» führt er Kampagnen «zu den wichtigen Fragen unserer Zeit», immer mit dem Ziel, friedliches Zusammenleben zu fördern und die Umwelt zu schützen. Dabei mag jene Aktion besonders in Erinnerung geblieben sein, bei der er mit seinen Leuten an der Felswand beim Chapf ein riesiges Transparent angebracht hat, als Donald Trump 2017 mit seinen Helikoptern zum WEF nach Davos flog. «Damals habe ich Andreas zum ersten Mal gesehen», erklärte Ria Lehmann auf die Frage der Moderatorin, «und zwar im Fernsehen.» Freimüller, der mutige Aktivist Verwegene, zum Teil gefährliche Aktionen und Situationen begleiteten Andreas Freimüller vor allem in jungen Jahren. Bei «Greenpeace» erlebte er Dinge, die ihm durchaus Angst eingeflösst haben, wie er zugab. So kletterte er auf das heutige WTO-Gebäude in Genf und wollte im Meer vor dem russischen Murmansk versenkten Atommüll dokumentieren. Trotz Warnung der russischen Küstenwache fuhren sie weiter, bis sie buchstäblich einen Schuss vor den Bug erhielten. «Wir taten dann so, als wäre unser Motor defekt, und die Russen schleppten uns nach Murmansk ab», erzählte er und fuhr fort: «Der Schlepper gab den Geist auf und das – schwere, metallene – Zugseil sank und zog unsere beiden Schiffe zusammen. Wir setzten unseren Motor wieder in Betrieb, ein zweiter Schlepper kam und so schipperten wir zu dritt der russischen Küstenstadt entgegen, wo ich schliesslich ins Gefängnis musste. Das war 1992.» Angesprochen auf sein Engagement für die Ukraine-Flüchtlinge, erklärte Andreas Freimüller, wie es ihm gelungen ist, Betten für die Flüchtlinge zu organisieren. Das Ergebnis auf seinen Aufruf sei überwältigend gewesen. Schon nach kurzer Zeit habe er 50'000 Betten präsentieren können, schliesslich seien es dann 120'000 gewesen. «Warum machst du solches?», so die Frage der Moderatorin. «Weil ich es kann», so die einfache Antwort. Manchmal sei er selbst überrascht, wenn etwas gelinge. «Doch wir alle können eigentlich viel mehr, als wir uns zutrauen. Man muss es nur wagen.» Als Projekte der – nahen und fernen – Zukunft erwähnte er den offenen Brief von «Campax» an Albert Rösti, den neuen UVEK-Vorsteher, mit der Frage, ob er als Bundesrat die Klima-Berichte des IPCC als Arbeitsgrundlage anerkenne und ein entsprechendes Bekenntnis abgebe. Und den Bau einer «Maschine», die in einer Art künstlicher Intelligenz Aufschluss darüber geben soll, wer von Bundesparlamentarierinnen und -parlamentariern am meisten macht. Lehmann, bei Operationen mit dabei Ria Lehmann, die Mutter von zwei erwachsenen Kindern, ist in einer Bündner Privatklinik als Operationsfachfrau tätig. Da liegt es auf der Hand, dass sie von der Moderatorin zu dieser Tätigkeit befragt wurde. An ihrem aktuellen Arbeitsort würden rund 800 Operationen im Jahr durchgeführt. Sie selbst sei vor allem für das Organisatorische zuständig, unter anderem, dass die erforderlichen Hilfsmittel bereitstehen. Als Operationsfachfrau erlebe man sicher auch Dinge, die man nicht so schnell vergesse. Wie sie damit umgehe, wollte Sonja Hasler wissen. Ging es auch schon mal um Leben oder Tod? «Eigentlich sollte es nur ums Leben gehen», so die coole Antwort von Ria Lehmann. Doch ja, sie habe mal den Tod einer Mutter bei einer Geburt miterlebt. «Das ging mir nahe». Ob er auch schon bei einer Operation dabei gewesen sei, ging die Frage an Andreas Freimüller. «Ja, beim Kaiserschnitt bei einem meiner Kinder. Das ging recht rabiat zu und her. So sehr, dass ich hinaus musste und einfach nur weinte.» Das nicht ganz alltägliche Hobby von Ria Lehmann ist das Tauchen. Auch darüber wusste sie einiges zu erzählen. So zum Beispiel von der Begegnung mit einem Hai im Roten Meer. «Unsere Gruppe hatte das Verhalten in solch einem Fall gerade trainiert», sagte sie. Man müsse senkrecht und bewegungslos im Wasser stehen bleiben. In ihrem Fall, dem Ernstfall, habe sie das getan, sei jedoch abgetrieben worden und habe das, ohne sich zu bewegen, nicht verhindern können. «Nun, der Hai hat dann zum Glück das Interesse an mir verloren und sich davon gemacht». Ein anderes Mal sei ihr Ehemann Paolo in eine Strömung geraten und er habe den Kontakt zu ihr und dem Tauchschiff verloren. «Glücklicherweise konnte er eine Boje setzen und sich mit einem Notsignal bemerkbar machen», erklärte sie. «Als ich mit meinem Guide zurück auf das Schiff kam, hatten sie ihn dort bereits geortet und jenseits des Riffs haben wir wieder zusammengefunden.» «Nicht jedem Löli hinterherlaufen» Einig waren sich Ria Lehmann und Andreas Freimüller, als Sonja Hasler das Gespräch auf das Thema Tourismus lenkte. Mehr Tagestourismus für Amden lehnen sie ab, die aktuelle Infrastruktur lasse das nicht zu. Andreas Freimüller geht noch einen Schritt weiter: Man könnte sich überlegen, sich in Amden nicht ausschliesslich auf den Tourismus zu fixieren, vom Tourismus wegzukommen, auf ein anderes «Geschäftsmodell» zu setzen. Einig waren sie sich auch bei der Frage, was sie ihren Kindern mitgegeben haben beziehungsweise mitgeben werden: Respekt vor dem Mitmenschen. Eigene Persönlichkeiten werden. Nicht wie Schäfchen jedem «Löli» hinterherlaufen. Über Sonia Hasler Sonja Hasler studierte Germanistik, Theologie und Psychologie in Bern und in San José (Costa Rica). Sie arbeitete unter anderem als Sportredaktorin und bei der Nachrichtenredaktion beim Schweizer Radio SRF, ebenso als Gesprächsleiterin beim Tagesgespräch. Während sieben Jahren war sie als Moderatorin der Sendung Rundschau beim Schweizer Fernsehen tätig, während fünf Jahren bei der politischen Diskussionssendung Arena. Sieben Jahre lang moderierte sie die Gesprächssendung Persönlich auf Radio SRF 1. Zurzeit ist sie zu hören in der Morgensendung bei Radio SRF 1 als Morgenproduzentin. Sonja Hasler besitzt ein Haus an der Heiggenstrasse im Arvenbüel und ist im Winter auch als Skilehrerin in Amden tätig. In Amden sei es einfach «cheibe schön», sagt sie auf die Frage der Ammler Zitig, warum sie Amden als Feriendomizil gewählt habe. Sie schätze die Nähe zu ihrem Wohnort, den See und die Berge, überhaupt die liebliche Landschaft. Ammler Herbstmarkt |
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August 2026
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