Ausflug zum ehemaligen Landessender Beromünster am 3. SeptemberRund 20 Leute waren mit Privatautos angereist, voller Erwartung, was auf dem fast 25‘000 Quadratmeter grossen Areal von Radio Beromünster entstanden ist. Und wir wurden nicht enttäuscht: Unter dem Namen KKLB – Kunst und Kultur im Landessender Beromünster – ist unter der Leitung des sympathisch versponnenen Künstlers Wetz (Werner Zihlmann), der das Gelände 2011 von der Swisscom zum symbolischen Preis von fünf Franken zugeschlagen bekam, ein fantasievolles, überraschendes und anregendes Gesamtkunstwerk entstanden.
Auf dem ungefähr zweistündigen Open-Air-Radioweg wird unter dem Titel „Töne am Wegrand der Geschichte“ an sieben Hörstationen die bewegte Geschichte des Landessenders (Juni 1930 – Dezember 2008) erzählt und mit originalen Tondokumenten hörbar gemacht. Kindheitserinnerungen wurden geweckt beim Hörspiel „Polizischt Wäckerli“, etliche Versprecher und Pannen liessen uns schmunzeln und bei den Live-Sportreportagen fieberten wir mit. Danach durften wir eine zweistündige Führung durch das ehemalige Betriebsgebäude von Radio Beromünster mit dem Künstler Wetz höchstpersönlich erleben. Fantasie und Pioniergeist, diese Stärken der ersten Radioleute, lebt Wetz auf inspirierend eigene Weise weiter. Humorvoll lässt er uns eintauchen in die Geschichte einzelner scheinbar „sinn-losen“ Objekte, wie etwa der künstlich beatmeten Kuh Lotti, der Waschmaschinen-Parade, dem Opferstock und, als Höhepunkt, in die Grossinstallation „Zihlenfeldlöchli“, sichtbar gemachte Kindheitsgeschichten. Nach der aktiv im Liegen erlebten Pause wurde die Führung mit einem reichhaltigen Apéro mit Produkten aus der Region abgeschlossen. Dieser wunderbare Ausflug lässt uns den Alltag mit neuen Augen wahrnehmen. CARMEN geht gut über die Bühnevon Pia Staubli Auf den 10. August 2017 laden Kultur Amden und Ammler Zitig zur Oper Carmen auf die Seebühne Bregenz ein. Erneut bringt uns Peter Widmer mit dem AWA-Bus «Ausflugsfahrt» ins nahe Ausland; prekäre Wetterverhältnisse regen zu Spekulationen an.
Ein heller Streifen am Horizont, lichte Wolken am Himmel und sogleich wird die Seepromenade zur Flaniermeile. Statt Schirm nun Handys, sie fangen die dramatische Inszenierung der Abendstimmung ein. Carmens Unterarme, die sich aus dem Wasser erheben, ragen hoch in den hellen Himmel empor. Wir sitzen an vorderster Front, eingepackt wegen der kühlen Luft, wie umfangen von diesen Armen. Vor uns in die Höhe gewirbelte graue Spielkarten, die als Animations- und Projektionsflächen eingesetzt werden. Volles Orchester mit Paukenschlägen und markanten Rhythmen, so wird mittels der Musik das 7000-köpfige Publikum in das bunte Treiben des südspanischen Sevillas geworfen. Georges Bizet stellt zu Beginn die wichtigen Melodien vor, so die von der Stierkampf-Arena, der Kaserne und vom Schicksalspaar Carmen / Don José. Eindrücklich dieses düstere Motiv, mit dunklen Klangfarben wird eine leidenschaftliche Melodie gespielt, die nach unten verläuft. Während dieser ist Carmen allein auf der Bühne und legt sich die Tarot-Karten. Was eine Granatapfel-Blüte vermag Der Nordspanier Don José strebt eine Karriere in der Kaserne von Sevilla an. Er schiebt Wache mit seinen Kollegen vor der Zigarrenfabrik. Wie üblich strömen die Arbeiterinnen für die Mittagspause ins Freie. Die dominante, lässig rauchende Arbeiterin Carmen spielt sich auf, in dem sie mit dem Lied: «Die Liebe ist ein wilder Vogel, den nichts zähmen kann», Liebe, Unabhängigkeit und Freiheit verherrlicht. Dank Projektion auf die Karten können Carmens Energieausbrüche und Verführung auch in Grossaufnahme verfolgt werden. Dieses berühmte Stück, die Habanera, wurde einst mit der Sängerin Callas populär. Nun nimmt die Tragödie ihren Lauf, indem Carmen dem wachhabenden Don José eine Blüte zuwirft; sofort ist es um ihn geschehen, er ist in ihren Fängen. Bereits hapert`s mit seiner Pflichterfüllung, denn er sollte Carmen bewachen, die wegen Anstiftung eines Streits vom Leutnant verhaftet wurde. Ihr Gefangenen-Strick wird zum Gängelband, sie lässt zur Sequedilla erneut ihren ganzen Charme spielen. Don José kann sich ihm nicht entziehen, so lässt er Carmen ungehindert fliehen. Die Taverne von Lillias Pastias ist der Treffpunkt aller Schmuggler, in diesem Kreis verkehrt Carmen und «arbeitet» erfolgreich mit. Diese Bande festet auch ausgiebig, hier wird getanzt, gesungen, getrunken. Berauschende Tanzmusik, feurige Tänzerinnen und Tänzer; die Plattformen senken sich ins Wasser, Emotionen gehen hoch in wilden Spritzern rundum. Wirklich eine Augenweide, das Publikum spendet spontanen Applaus. Nun sind die Schmuggler im unwegsamen Gebirge, Feuer untermalen die geheimnisumwobene Szenerie. Carmen legt sich die Tarot-Karten und erkennt ihr todbringendes Schicksal, schleudert unvermittelt die Karten erschreckt in die Luft. «Die Karten lügen nicht» singt die schicksalsgläubige Akteurin. Das schreckliche Dunkel wird durch das Rot-Schwarz der riesigen Bühnenkarten durchbrochen, mittendrin die Karte mit dem Sensenmann «La Mort». Wieder grosse Bühne fürs Volksfest vor und in der Stierkampf-Arena, realisiert auf verschiedenen Ebenen. Tänzerinnen bewegen sich wie kreisende Fächer, grosse Parade mit viel Volk, «rotes Tuch gegen zwei Hörner»; eine unglaubliche Farben-Sinfonie. Schluss-Szene : Carmens Tod Carmen und José geraten immer tiefer in den Strudel ihrer Leidenschaften, waten immer tiefer im Wasser. Schliesslich ertränkt er sie gewaltsam. Tödlich lange lässt sich die Sängerin unter Wasser drücken, Das Bühnenbild von Es Devlin sieht durch die vielen Videoprojektionen immer wieder anders aus. Feurige Tänzerinnen und Tänzer entzücken. Nr. 9 / September 2017 Amden Aktuell 21 Technik macht`s möglich. Im Jahre 1847 schrieb Prosper Mérimée die Novelle Carmen, basierend auf mehreren Spanienbesuchen. Darin wird Carmens Ende besiegelt, indem sie ihm den geschenkten Ring ins Gebüsch wirft und José zwei Mal zusticht. Die Uraufführung der Oper war 1875, dies auch Bizets Todesjahr. Bearbeitungen, Adaptionen folgten; in der Neuzeit auch verschiedene Filme. «Es ist der Traum jedes Bühnenbildners eines Tages in Bregenz zu arbeiten», erklärt Es Devlin aus London. Die Meisterin ihres Fachs entwarf schon die Kulissen für Shows von Adele, U2 und Beyoncé. Sie stellt den Anspruch, dass ein Bühnenbild leicht und einfach aussehen soll. Ihre Herausforderung ist, die aufwändigen Konstruktionen für das Publikum unsichtbar zu machen. Aus dem Programmheft: Ab Oktober 2016 entstand Carmens Welt im Bodensee. Rund sieben Monate nahm der Aufbau in Anspruch. 37 Firmen aus Österreich, Deutschland und der Schweiz haben an den Fertigungs- und Aufbauarbeiten mitgewirkt. 21 Meter lange Arme Weitere Daten: Die Unterarme sind 17 bzw. 21 Meter hoch. Eine Karte, 30 Quadratmeter gross, zweieinhalb Tonnen schwer, wintersicher und je nach Position auch rutschfest, entflammbar und wassertauglich. Davon gibt es 15 in der Luft, weitere 28 liegen wirr «auf dem Boden», die Übrigen können abgesenkt werden. In den Händen von Rösli Ackermann, Präsidentin von Kultur Amden, lag die Organisation dieser Ausflugsfahrt. Die Wetterprognosen beunruhigten sie, doch Festspielreisende aus Weesen und Amden sowie die vielen Akteure durften nun Röslis Draht zu Petrus erfahren, ein grosses Dankeschön für ihre Arbeit hinter den Kulissen. Besucherstimmen • Grandios: Akteure und Bühne • man kennt diese Musik, viele Ohrwürmer • abwechslungsreiches Spektakel, überall wird agiert • Tänze – Bühnenbild – Technik, einfach unschlagbar • Visuelle Leckerbissen • Tolles Orchester • Carmen und Michaela sind brillante Sängerinnen • Einmaliges Super-Erlebnis für mich als Nicht-Opernfreund Tomorrow – Die Welt ist voller LösungenTomorrow ist ein Dokumentarfilm der Schauspielerin Mélanie Laurent und des Autors und Aktivisten Cyril Dion aus dem Jahr 2015. Der Film wurde in zehn Ländern gedreht, darunter u. a. in Finnland, Großbritannien und Indien. Ausgangspunkt des Films ist die momentane Situation der Welt mit ihren global zunehmenden Problemen wie der Energie- und Ressourcen-verknappung oder dem Klimawandel. Auf der Suche nach Lösungen zeigt der Film verschiedene Projekte und Initiativen mit alternativen ökologischen, wirtschaftlichen und demokratischen Ideen auf.
Als die französische Schauspielerin Mélanie Laurent und der Autor und Aktivist Cyril Dion in der britischen Zeitschrift „Nature“ eine Studie lesen, die den wahrscheinlichen Zusammenbruch unserer Zivilisation in den nächsten 40 Jahren voraussagt, wollen sie sich mit diesem Horror-Szenario nicht abfinden. Schnell ist ihnen jedoch klar, dass die bestehenden Ansätze nicht ausreichen, um einen breiten Teil der Bevölkerung zu inspirieren und zum Handeln zu bewegen. Darum machen sich die beiden auf die Reise, um die Menschen zu finden, die bereits erfolgreich nachhaltige Projekte initiiert haben. Der zentrale Blickwinkel des Films liegt auf dem Zusammenhang der verschiedenen Probleme, mit der die Welt momentan zu kämpfen hat. Unterteilt in die Kategorien: Landwirtschaft, Energie, Wirtschaft, Demokratie und Bildung werden im Laufe des Films in zehn Ländern Experten und Initiativen aufgesucht, die sich mit der jeweiligen Thematik beschäftigen und an Lösungen und Projekten für eine bessere Zukunft arbeiten. Zu den besuchten Länder gehört in etwa Dänemarks Hauptstadt Kopenhagen, welche sich zum Ziel erklärt hat, bis 2025 als erste Stadt der Welt „CO2-neutral“ zu werden oder die französische Überseeinsel Réunion, welche den Eigenbedarf an elektrischen Strom bis 2025 zu 100% aus erneuerbaren Energiequellen decken möchte. Einige französische Bauern bewirtschaften ihr Land mit Mischkulturen. Die verschiedenen Pflanzen helfen einander, etwa bei der Vermeidung von Schädlingen. Der Ertrag pro Fläche solcher Mischkulturen ist viel höher im Vergleich zu Monokulturen. Auch kommen sie ohne Chemie und Traktoren aus. Selbstverständlich ist die körperliche Arbeit höher. Nach Anfangsschwierigkeiten zeigte sich auch der finanzielle Erfolg! Ein weiteres Beispiel ist die Stadt San Franzisco, bei der 80% des Abfalls rezykliert wird – eine tolle Leistung. Der Verein Kultur Amden durfte einmal mehr bei Mia Stauber und Reinhard Nesper im Haus am Fallenbach zu Gast sein. Appenzeller mit Biss – Simon Enzler tritt auf Von Pia Staubli Am 29. April, 2017 gastiert der Kabarettist Simon Enzler um 20 Uhr im Saal Amden. Das grosse Publikum erlebt dank Kultur Amden und ihren Sponsoren leise, laute und ausfällige Töne.
Amden kommt erstmalig zu einem Auftritt von Simon Enzler, dem bekannten Kabarettisten. Privat war er auch noch nie in unserm Dorf mit Aussicht auf See. Mit seinem Soloprogramm «Primatsphäre» spielt er wohl auf Privatsphäre, Primat als «an vorderster Front» oder Affengattung an. Urmenschliches könnte so zum Thema werden. Der Appenzeller, selbstgefällig in seinem Höckli, hervorspähend hinter blickdichtem Lebhag; daraus erschafft er sich seine Welt. Seesicht verschmäht er, da in einem See kein Alpabzug oder Schwingfest ersichtlich sei. Anders der Säntis, der verhilft ihm zu Rückgrat. Er kennt genau seine natürlichen Bedrohungen, denn er sinniert ausgiebig über den Nachbarn, den Ausserrhoder, den Rheintaler, den urbanen Zürcher und den angrenzenden Vorarlberger. Dabei bezieht er den Zuschauer kumpelhaft ein, benutzt das Publikum oft als Spielball. Er reagiert spontan auf sein Umfeld, zur Fotografin meint er pfiffig-bös: «Nur kein Bild mit Lätsch!» Enzlers geballte Energie nimmt gefangen. Lacher und Schmunzler sind ihm sicher, sie beleben den vollbesetzten Saal. Unverkennbar Enzlerisch Appenzeller Dialekt pur und eine Ironie, gespickt mit träfen, rässen Ausdrücken und witzigen Wortspielen. Mit diesen Mitteln geht er unsere persönlichen und gesellschaftlichen Befindlichkeiten an. Seine Emotionen gehen dabei hoch, mit markigen Flüchen schafft er sich Luft. Sie erhalten durch ihn eine typische Legimitation: «Es sind kirchlich anerkannte Flüche.» Nebenbei noch bemerkt, haarscharfes Aufpassen und heftige Emotionen; diese Qualitäten zeichnen auch den Bläss aus, der das Appenzeller Vieh hütet. Zum Brauchtum gehört auch die Schnitzerei, er werkelt und schnitzt in seinem Heimetli. Etwas wie ein Spiess entsteht, eben ganz spiessig! «Huärä schöö», die elektrische Fliegenklatsche kostet er vollumfänglich aus, um eine neue Ironie-Welt entstehen zu lassen. Es tönt nach Nonsens; einst förderten Schuhbändel die Entwicklung des Kindes, wegen der heutigen Klettverschlüsse steige die Scheidungsrate an. Seine Argumentation dazu ist hintergründig, mit vielen Zwischentönen; eben kunstvolle, preisgekrönte Satire. Sie ist schwierig zu beschreiben, sie muss erlebt werden; Enzlers Mimik und Schalk gehören einfach dazu. Organisation und Sponsoring Der Verein Kultur Amden mit 120 Mitgliedern lädt zum Kabarettabend ein, Thomas Angehrn hält die Begrüssung und wirbt für den Verein. Vier Sponsoren ermöglichten den moderaten Eintrittspreis; dies sind Politische Gemeinde Amden, Raffeisenbank Schänis–Amden, Amden& Weesen Tourismus und ein anonymer Gönner. Auswegloses Ende Zum Schluss gelangt das Publikum in eine Enzlerische Manipulation, er zwingt die Zuschauer auszuharren. Währenddessen hantiert er an seinem kargen Bühnenbild herum, lässt sich dabei viel Zeit. Er meint beschwichtigend, das Publikum solle die Situation aussitzen. Publikums-Stimmen • Enzlers Kunst lebt von der Sprache • er hält dem Besucher den Spiegel hin • scheut sich nicht vor heiklen Themen • flucht zu viel, sonst kantig und ehrlich • macht überraschende Vergleiche • unterhaltsam; picke mir Sinnvolles heraus • ein Abend mit vielen Pointen 11. Mitgliederversammlung 2017Die 11. Mitgliederversammlung wurde im Zentrum für Asylsuchende Bergruh in Amden abgehalten. Im ersten Teil wurden die Traktanden durch den Tagespräsidenten Thomas Angehrn routiniert abgehandelt. Der Verein Kultur Amden freut sich, über die Wahl der neuen Präsidentin Rösli Ackermann, Betlis. Rösli wurde in den Reihen von Kultur Amden herzlich willkommen geheissen.
Im zweiten Teil der Veranstaltung hat das Team der Bergruh über die tägliche Arbeit im Zentrum erzählt und den Betrieb und das Team vorgestellt. Asylsuchende haben anschliessend ihre sehr eindrücklichen und zeitweilen sehr bedrückenden Geschichten aus ihrem Leben erzählt. Ein grosser Dank geht an die Asylsuchenden, die vor der Versammlung den Mut fanden die persönlichen Geschichten zu erzählen. Zentrumsleiter begegnen an Podium Vorurteilen gegenüber Asylsuchenden Alexandra Greeff , Südostschweiz Stellen Sie sich vor, Sie sind auf einem Spaziergang oder auf einem Bummel durchs Dorf und drei Männer – sagen wir mal aus Eritrea – kommen Ihnen entgegen. Was geht Ihnen durch den Kopf? Werden Sie ihren Kurs geradeaus beibehalten? Oder wechseln Sie die Strassenseite, um dann doch neugierig zurückzuschauen, was Sie eben verpasst haben? 4.60 Franken Sackgeld pro Tag Marco Badilatti,Vorstandsmitglied von Kultur Amden und Moderator des Podiums vom vergangenen Donnerstag, verstand es, das Publikum mit diesen und anderen pointierten Fragen herauszufordern. Eine Anwohnerin aus Amden, die die beschriebene Situation aus dem Alltag kennt, musste nicht lange überlegen: «Ich grüsse die Männer freundlich», gab sie spontan zur Antwort. Und aus Erfahrung glaubte sie auch zu wissen, wie die Reaktion der drei Männer ausfallen würde: «Sie grüssen ebenso freundlich zurück.» Rund ums Asylzentrum Bergruh in Amden ist Ruhe eingekehrt. «Es gibt keine Probleme», freute sich Stephan Trachsel, Leiter des Asylzentrums. Um dann seine Aussage lachend wieder zu relativieren: «Zumindest nicht gegen aussen.» Doch wie sieht drinnen aus? Rund zwei Drittel der zahlreichen Interessierten, die dem Podium beiwohnten, haben das Asylzentrum schon besucht. «Solche Begegnungen und Gespräche helfen dabei, Vorurteile abzubauen und Empathie füreinander zu entwickeln», ist Trachsel überzeugt. Vorurteile gebe es nämlich viele. Viele Menschen stellten sich vor, dass Asylbewerber mit Luxus überhäuft würden, nicht arbeiten wollten und die ganze Zeit herumhängen würden. Die Realität sehe aber anders aus. Trachsel schilderte, dass die eintretenden Asylsuchenden etwas Zucker, einen Teebeutel, eine Zahnbürste und ein Frottiertuch bekommen, in Mehrbettzimmern schlafen und mit 4.60 Franken pro Tag auskommen müssen. Damit könnten sie zum Beispiel Hygieneartikel, Kleidung oder mit etwas Glück und Planung sonst etwas, das ihnen Freude bereitet, kaufen. In Tagesstruktur eingebunden Friederike Jerger erzählte von ihren Erfahrungen im Asylzentrum Vilters: «Die Flüchtlinge würden gerne etwas tun und sich in die Gesellschaft einbringen. » Sie fragte in die Runde: «Wie viele Menschen wissen, dass Asylsuchende während der ersten drei Monate – bei einem erstinstanzlichen Negativentscheid noch länger – nicht arbeiten dürfen?» Für sie ist klar: «Die Asylsuchenden hängen nicht freiwillig herum.» Auch Vereinsaktivitäten seien ihnen oft verwehrt, da sie oft nur über kurze Zeit an einem Ort bleiben könnten und rasch auf die Gemeinden weiterverteilt würden. Strikt ist auch die Tagesstruktur, die Trachsel dem Publikum am Beispiel Amden unterbreitete. Der Tag im Asylzentrum Bergruh beginnt um acht Uhr mit Frühstück. Danach müssen die Asylbewerber verschiedene «Ämtli» wie Putzen erledigen. Um 9.15 Uhr startet der Unterricht. Für diesen wird laut Trachsel besonders viel Aufwand betrieben, denn es gehe darum, die Menschen so früh wie möglich in die Kultur einzuführen, um längerfristig einen noch grösseren Kostenaufwand zu verhindern. Am Nachmittag folgen verschiedene Projektarbeiten. Erst am Abend könnten die Flüchtlinge frei über ihre Zeit verfügen, die sie dann meistens zur Kommunikation mit Verwandten nutzen. Als Jerger erzählte, dass der Tag im Asylzentrum Vilters schon um 7.30 Uhr beginnt, ging ein fast schon mitleidiges Raunen durchs Publikum. Offenbar war es den Rednern gelungen, Empathie für die Flüchtlinge und ihre persönlichen Geschichten zu wecken. Für die Zukunft wünschen sich die Verantwortlichen noch mehr Möglichkeiten für Begegnungen und gemeinsame Aktivitäten zwischen Bevölkerung und Asylsuchenden.
Was das Heranwachsen zur Hölle macht von Alexandra Greeff, Südostschweiz Die Künstlerin Sarah Elena Müller ist jung und steckt voller Ideen. Bei einem Besuch in ihrem Heimatdorf Amden las sie aus ihrem ersten Romanprojekt «Jungbürgerhölle». Zudem musste sie sich den kecken Fragen einer weiteren Exil-Ammlerin stellen.
«Kann ich Dir auch einfach Sarah sagen?» Das war die erste Frage von Kathrin Bischofberger an die junge Künstlerin. «Ich kenne dich als Sarah Müller. Darf man dich jetzt, da du den Kulturförderbeitrag des Kantons St.Gallen erhalten hast, nur noch Sarah Elena Müller nennen?» Bischofberger teilt mit der jungen Künstlerin ein Stück gemeinsame Schulzeit. Sie war deshalb vom Verein Kultur Amden angefragt worden, ob sie die Moderation für den Literaturabend im Primarschulhaus übernimmt. «Das ist für mich natürlich eine grosse Ehre», so die Pädagogin. Sie wusste die ihr zugeteilte Aufgabe humorvoll anzupacken und zeigte viel Geschick darin, die junge Künstlerin mit den richtigen Fragen aus der Reserve zu locken. Ihre Eltern seien vielleicht der Meinung gewesen, dass der Name Sarah Müller «doch nicht so knackig» sei, gab die junge Künstlerin zurück. Sie hätten sie wohl aus diesem Grund mit zwei Vornamen bedacht. Und die Kunstschule sei «sensibel» in Bezug auf Namen. Sie höre aber natürlich immer noch auf den Namen Sarah Müller, Kulturförderpreis hin oder her. Vielfältiges Schaffen Und was war ihre erste Reaktion auf den Kulturförderpreis? Die Künstlerin musste nicht lange überlegen: «Ich war einfach nur erstaunt.» Wie andere Kunstschaffende auch sie habe immer wieder Anfragen und Bewerbungen verschickt – und genauso häufig Absagen erhalten. Irgendwann merke man sich diese gar nicht mehr. Man vergesse sie gleich wieder, vielleicht, weil man sowieso mit einem negativen Entscheid rechne. Als dann der persönliche Anruf gekommen sei mit der Mitteilung, dass sie den Kulturförderpreis des Kantons St.Gallen bekomme, sei sie einfach nur baff gewesen. Bald kamen dann aber die ersten Gedanken zum Erwartungsund Repräsentationsdruck, den der Förderpreis mit sich bringen wird. «Damals habe ich zum ersten Mal in meinem Leben mein Hemd gebügelt», gestand die Künstlerin. Im sonstigen Leben ist die Künstlerin nämlich recht unkompliziert und flexibel, zumindest was ihr Wohn- und Arbeitsumfeld betrifft. Sarah Elena Müller ist 1990 geboren und in Amden aufgewachsen, seither haben sie ihre Ideen und Projekte herumgetrieben. So habe sie zum Beispiel kein GA, sondern ein Auto, damit sie immer mal wieder zügeln könne. Auch in Bezug auf das künstlerische Schaffen lässt sich die Künstlerin nicht gerne festlegen und geht vielfältigen Projekten nach. Seit ihrem BachelorAbschluss in Fine Arts 2014 an der Hochschule der Künste Bern beschäftigt sie sich mit Literatur, Musik, Audiound Videoproduktion, Hörspielen, Schreiben und Performance. Zurzeit ist sie im Atelier «Sattelkammer» in Bern stationiert und schreibt an ihrem Erstlingsroman «Jugendhölle», der demnächst herauskommt. Mittlerweile ist sie froh, dass sie sich der Sprache verschrieben hat und nicht gemäss ihrem Kindheitstraum ComicZeichnerin geworden ist. «Die Sprache ist wandelbar, schnell, nicht fix. Sie liegt mir mit meiner Ungeduld viel besser als Comics zu zeichnen.» Das Heranwachsen als Hölle «Und wie definierst du Kunst?», stellte Bischofberger die lang erwartete Frage, um sie dann gleich wieder zu verwerfen – wohl im Wissen darum, dass Müller nicht gerne Wertmassstäbe setzt und Kunst lieber als Haltung verstanden wissen will. «Nein, diese Frage lassen wir aus, lassen wir stattdessen deine Lesung sprechen.» Das war die Aufforderung an die junge Künstlerin, die Spannung im Publikum endlich zu brechen und aus dem Roman «Jugendhölle» vorzulesen. Darin beschreibt Müller das Erwachsenwerden aus der Sicht eines Kindes, eines Mädchens, einer jungen und fortlaufend alternden Frau, die von ihrem Umfeld fremdbewertet wird und Fragen stellt. In anschaulichen Situationen zeigt sie, wie die Meinungen des Umfelds die junge heranwachsende Frau verformen, und spinnt ein dichtes Netz von Gedanken und Gefühlen. Gezeigt wird zum Beispiel ein Kind, das auf der vorderen Stuhlkante sitzt und auf ein Wort der Erwachsenen wartet, auf das es etwas erwidern kann. Ein Kind, das die Erwachsenen darüber fachsimpeln hört, was für seine Entwicklung gut ist und keine Möglichkeit hat, Aussagen zu berichtigen und sich zu erklären. Oder ein Kind, das zwei Pipi-Worte sagen möchte, sich aber nicht getraut, den Wortschwall von zwei Männern zu unterbrechen – sodass es nicht anders kann, als sorgfältig Tropfen für Tropfen auf Vaters Hose zu träufeln. Müller überzeugte das Publikum mit originellen sowie skurrilen Ideen und regte die Zuhörer dazu an, Bewertungen und Meinungen zu hinterfragen und aufzulockern. Ein guter Tipp zum Ende «Diese Lesung ist anders als andere. Sie können leider kein Buch oder sonst was kaufen», schloss Bischofberger den Literaturabend ab – «Jugendhölle» erscheint ja erst demnächst. Sie hatte aber eine andere Marketingidee, die sie der jungen Künstlerin gleich zum Vorschlag machte: «Wie wäre es, wenn du den Roman in kleinen Häppchen veröffentlichst? Dann sind die Leser immer neugierig auf die Fortsetzung. Und für dich ist schon mal vorgesorgt.» Migration als tägliche HerausforderungNach einer Einführung von Marco Badilatti stellte Jürg Eberle seine interessante Arbeit in Form einer power point Präsentation vor. Etwa 40 Besucher lauschten gespannt seinen Ausführungen.
«Wenn alle Personen in der Schweiz sprachlich, schulisch, arbeitstechnisch, gesundheitlich und gesellschaftlich integriert sind, haben wir alle Herausforderungen gelöst», fasste Jürg Eberle am Mittwochabend seine Ausführungen zusammen. Der Leiter des Migrationsamts des Kantons St. Gallen sprach auf Einladung des Vereins Kultur Amden über seine berufliche Tätigkeit. «Doch wie kommen wir dahin», stellte er die zentrale Frage. Dass der Begriff der Migration bei vielen Bürgern einen negativen Beigeschmack hat, erlebt Eberle immer wieder. Dies müsse angegangen werden, ist er überzeugt. Seit im Mai letzten Jahres bekannt wurde, dass in Amden ein Asylzentrum geplant sei, nimmt sich der Verein Kultur mit einer Veranstaltungsreihe des Themas an. Rund 40 Interessierte lauschten im Gallus-Saal der Faktenpräsentation. Auch wenn die Einwanderung in die Schweiz seit 2013 rückläufig ist, wird die Migration als wichtiges Problem wahrgenommen. Eberle verwies auf eine Erhebung, welche diese These untermauert. Wurde früher die Gesundheit als bedeutsamste Aufgabe definiert, ist es nun die Migration und die sogenannte Ausländerfrage. Eberle zeigte in Amden, dass die ständige ausländische Wohnbevölkerung mit Aufenthaltsrecht in der Schweiz rund zwei Millionen Menschen zählt. Die meisten kommen aus Italien, Deutschland und Portugal. Ablauf von Wegweisungen Detailliert erklärte Eberle, wie im Falle einer Ablehnung eines Asylgesuchs oder der Aberkennung des Asylantenstatus vorgegangen wird. Wie schnell jemand die Schweiz verlassen muss, hänge etwa von der Aufenthaltsdauer ab und ob durch die Wegzuweisenden die öffentliche Sicherheit gefährdet werde. Dabei können vor allem Krankheitsfälle, nicht kooperierende Rückführungsstaaten oder fehlende Papiere den Prozess verlangsamen. Grundsätzlich wird die selbständige Rückreise angeboten, wobei der Weg zum Flughafen und der Flug organisiert und bezahlt werden. «Der Grossteil der Asylsuchenden wählt das», sagte Eberle. Weigert sich die Person, wird sie von der Polizei bis zum Gate am Flughafen begleitet. Kommt es dort zu Tumulten, fliegen mindestens zwei Polizisten mit dem Weggewiesenen bis ins Rückführungsland. Die allerletzte Variante liess aufhorchen. Im schlimmsten Fall wird laut Eberle ein Flugzeug gechartert, das mit Auszuschaffenden gefüllt wird. Dabei ist eine grosse Zahl von Polizisten, medizinischem Personal, Vertretern der Zielländer sowie Mitgliedern der Antifolterkommission. «Wenn wir solche Möglichkeiten zur Durchführung der Gesetze nicht haben, werden dies zur Farce», merkte Eberle an. Arbeitsbeschaffung sekundär Während der Abklärungen, ob ein Asylantenstatus erteilt wird, liegt laut dem Leiter des Migrationsamt der Fokus auf Strukturen. «Wer jahrelang unterwegs war, braucht in erster Linie fixe Abläufe», erklärte er. Das Thema der Arbeitsbeschaffung beschränke sich auf Ausländer mit Bleiberecht. Erst bei einem positiven Entscheid werde rücke die Integration ins Zentrum. Vorher versucht man die Rückkehr schmackhaft zu machen. Zürichseezeitung vom 25.11.2016 Meisterwerke der Romantik für Klarinette und KlavierDer Pianist Matthias Roth und der Klarinettist Valentin Wandeler spielten Werke von - Robert Schumann: Fantasiestücke für Klarinette und Klavier - Alban Berg: Vier Stücke für Klarinette und Klavier - Johannes Brahms: Sonate Nr. 2 Es-Dur für Klavier und Klarinette Es war ein wunderschöner Abend in der Aula des Primarschulhauses. Der intime Charakter der Aula verband die grossartigen Musiker eng mit den etwa 40 Zuhörern. Valentin Wandeler zelebrierte die Klarinette - es war wie ein Gesang ... Es war toll, ihm zuzuhören und zuzusehen. Der Flügel konnte zeigen, was in ihm steckt. Matthias Roth entlockte ihm zarte und ganz gewaltige Töne. Grosser Applaus nach den 2 Zugaben. Dank der Bar von Erika Scherer blieben viele Besucher und benutzten die Gelegenheit, mit den Musikern zu plaudern.
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August 2026
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